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EXTREMSPORT / Das deutsche Paar Achim Heukemes und Dagmar Großheim beim 217 km langen Badwater-Lauf
"Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt"
Quelle: www.hz-online.de

 
Der Badwater-Lauf gilt als eine besondere Herausforderung unter Extremsportlern. 217 km lang ist dieser fünffache Marathon, der deswegen gefürchtet ist, weil Temperaturen bis zu 50 Grad herrschen. Das deutsche Paar Achim Heukemes und Dagmar Großheim war dabei.
Achim Heukemes mobilisiert seine letzten Kraftreserven. Erschöpft von fünf Marathonläufen am Stück, ausgemergelt von Temperaturen bis zu 50 Grad und ermüdet von zwei Tagen Schlafentzug findet er noch die Kraft, beim Zieleinlauf die Arme in die Höhe zu reißen. Trotz aller Schmerzen bringt Heukemes ein Siegerlächeln zustande, obwohl seine Zeit von 33 Stunden, 2 Minuten und 42 Sekunden am Ende Platz 14 bedeutet. "Das war ein Höllenritt", sagt der 55-Jährige aus Gräfenberg. Er meint das vielleicht härteste Rennen der Ultramarathonszene, das bezeichnenderweise im Death Valley des US-Staates Kalifornien als jährliche Einladungsveranstaltung stattfindet. Vom mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel tiefsten Punkt Amerikas, dem Badwater, bis hinauf zum 2530 Meter hoch gelegenen Mount Whitney gehen die Läufer im "Tal des Todes" umgeben von zerklüfteten Gebirgen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Zur gleichen Zeit, in der sich Heukemes kraftlos in den eilig herbeigebrachten Campingstuhl am Ziel fallen lässt und als erstes ein kühles Bier bestellt, kämpft seine Lebensgefährtin Dagmar Großheim auf einer zehn Kilometer langen und für das Auge nicht enden wollenden Geraden zum x-ten Mal gegen den inneren Schweinehund. Die Weltmeisterin des 10-fach-Ironman erreicht erst später - nach 42:56:03 Stunden - als bislang beste Deutsche der 30-jährigen Renn-Geschichte das Ziel. Nicht die 217 Kilometer Länge des Badwater-Laufs, sondern die glühende Hitze mit dem heißen Wüstenwind, die jeden Tropfen Flüssigkeit aus dem Körper saugt, fürchten die Läufer. Die Extremsportler sind gesundheitlichen Risiken ausgesetzt: Krämpfe, Dehydrierung, dazu mentale Einbrüche. Die 17 teilnehmenden Frauen und 67 Männer aus 15 Ländern mussten eine Erklärung unterschreiben, bei Todesfällen auf Regress-Ansprüche zu verzichten. "Badwater ist unberechenbar", sagt Heukemes. 2002 hatte er hier aufgeben müssen, und auch in diesem Jahr kommt früh ein Rückschlag. Sein Ziel einer Zeit unter 30 Stunden zerschlägt sich bereits beim ersten Marathon. Nach dem Verzehr eines Blaubeer-Joghurts rebelliert sein Magen, in den nächsten Stunden schleppt sich der 66-Kilo-Mann mehr über den flimmernden Asphalt, als dass er läuft. Ein wacher Kopf kann jedoch den schwächelnden Körper überlisten. 20 Kilometer vor dem Ziel hat der ehemalige Fernfahrer das Rennen innerlich abgehakt, lässt sich sogar eine Portion Pommes kommen. Doch als er hört, sein Erzrivale Eberhard Frixe (Meine) sei ihm dicht auf den Fersen, "legte sich der Schalter nochmal um", so Heukemes. Er bewältigt den Schlussanstieg als einer der Schnellsten. Auf die Frage, warum sich die Sportler solchen Strapazen freiwillig aussetzen, gibt es nur Schulterzucken. Prämien gibt es keine, die Läufer, die unter 48 Stunden bleiben, erhalten lediglich eine silberne Gürtelschnalle. "Diese Gratwanderung zu spüren, wenn man ans Limit geht, gibt mir den Kick", sagt Heukemes. Großheim gibt zu, es sei ihr wichtig, "von den Leuten, die mir was bedeuten, Anerkennung zu erhalten". Nach ihrem Motto: "Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt."