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Lauf durchs Tal des Todes

Von SZ-Mitarbeiter FREDY Dittgen
 
Der Saarbrücker Dr. Klaus Micka, der für die Lauftreff-Freunde Köllertal startet, hat den Badwater Ultra-Marathon in den USA gut überstanden - den schwersten Langstreckenlauf der Welt. "Es war ein unvergessliches Erlebnis" erzählt der 59-jährige Extremsportler beim Besuch in der Heusweiler SZ-Redaktion.
 
 
Am Ziel: Klaus Micka mit zwei aus seinem Begleiter-Team: links seine Frau Aloisia, rechts seine Nichte Andrea Armbrüster.
Heusweiler. Das Death Valley, das "Tal des Todes" im Nordwesten Kaliforniens trägt seinen Namen zu Recht: Endlose Wüsten, keine Vegetation, kahle Berge. Die Hitze ist unerträglich. Tagsüber steigen die Temperaturen auf bis zu 65 Grad. Schatten? Gibt es keinen. Selbst in der Nacht ist es noch bis zu 35 Grad heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei Null Prozent. Mitten durch dieses unwirtliche Gebiet führt eine schnurgerade Straße, alle paar Stunden mal von einem Lkw genutzt. Und jedes Jahr im Juli von 90 Extremsportlern. Einer davon ist Dr. Klaus Micka. Der 59-jährige Saarbrücker Internist und Lungenfacharzt treibt seit seinem zehnten Lebensjahr Sport. Über Turnen, Leichtathletik und Rudern kam er vor ein paar Jahren zu den Lauftreff-Freunden Köllertal (LTF), wo er erst an Zehn-Kilometer-Volksläufen teilnahm, ehe er sich über den Halbmarathon und den Marathon an den Ultra-Marathon wagte.

Ultra-Marathons sind Laufstrecken von mehr als 42 Kilometern. Und der Härteste aller Ultras, "The Challenge of the Champions" ("Die Herausforderung für die Meister") findet im Death Valley statt.

"Ich wollte das unbedingt mal machen, weil ich wissen wollte: Pack ich das? Kann ich so was überstehen?" 600 Teilnehmer hatten sich diesmal für den Badwater-Ultramarathon beworben, nur 90 von ihnen durften starten. "Die Qualifikationskriterien schreiben vor, dass man schon an mindestens drei Ultras teilgenommen und sie zu Ende gelaufen hat", so Micka. Da er schon "Finisher" beim De-Sable-Ultra (238 Kilometer), beim Jordanien-Cup (168 Kilometer), beim Davos-Ultra (78 Kilometer) und beim Kapstadt-Ultra (56 Kilometer) war, erfüllte Micka die Voraussetzungen.

Am 11. Juli, morgens um sechs Uhr, erfolgte in Badwater der Start. 85 Meter unter dem Meeresspiegel übrigens. Von dort ging es über eine 217 Kilometer lange Strecke bergauf und bergab über 2618 Höhenmeter zum Ziel auf dem Mount Whitney, dazwischen nur das kleine Örtchen Lone Pine. 60 Stunden hatten die Läufer dafür Zeit. "Ich hatte den Ehrgeiz anzukommen, egal, in welcher Zeit", sagt Micka, der mit zu den ältesten Läufern gehörte. Unterstützt wurde er von einer Supporter-Crew (Helferteam), dem seine Frau Aloisia, sowie Ralf und Andrea Armbrüster angehörten. "Ohne eine Supporter-Crew kann man solch einen Ultra nicht laufen", sagt Micka. Die Crew versorgte ihn mit Getränken, frischer Kleidung und Essen. Insgesamt 60 Liter Wasser hat Micka während des Laufes getrunken. Und gegen den Hunger kochte er sich auf einem kleinen Gaskocher Spaghetti Bolognese. "Aber als Trockenfutter, mit Wasser angerührt. Es hat sogar geschmeckt", lacht Micka.

Am Schlimmsten waren die Hitze und die Einsamkeit. "Einmal, nachts, hab ich einen einzigen Läufer gesehen. Ansonsten bist du völlig alleine. Tagsüber gab es keinen Schatten. Die Sonne hätte mich verbrannt, wenn ich nicht in langärmigen Shirts und mit Mütze gelaufen wäre", schildert Micka. Seine Crew musste ihm ständig frisches Wasser bringen. "Unter die Mütze packte ich mir einen Waschlappen, den ich mit Eiswürfel gefüllt hatte. Ich ließ mich aus einer Sprühflasche nass spritzen, damit die Körpertemperatur nicht zu sehr ansteigt", so Micka. Zwei Mal schlief er während des Rennens. Dafür hatte seine Crew ein kleines Zelt am Wegrand aufgeschlagen.

Nach 51 Stunden, 14 Minuten und 59 Sekunden war Klaus Micka im Ziel. Nur 67 Läufer waren angekommen, alle anderen gaben unterwegs auf. "Ich war im Ziel richtig gut fertig. Aber auch glücklich", so Micka. Danach setzte er 14 Tage mit seinem Lauftraining aus, befindet sich jetzt aber schon wieder in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon. Und was kommt dann? "Den Badwater-Ultra würde ich nächstes Jahr gerne noch mal laufen. Und ich würde gerne mal am Vier-Tage-Lauf in Namibia und am Durban-Johannesburg-Ultra (80 Kilometer) teilnehmen." Kommt bei solchen Herausforderungen nicht mal der Arzt Klaus Micka zum Sportler Klaus Micka und sagt "Ist das nicht ein bisschen gefährlich?" - Micka: "Wenn man sein Leben lang Sport getrieben hat, gesund und gut vorbereitet ist, dann ist das nicht gefährlich. Und solch lange Distanzen sind ohnehin mehr etwas für ältere, erfahrene Läufer."

Auf einen Blick

Der Badwater-Ultramarathon wird seit 1977 durchgeführt. Der Startpunkt, Badwater im kalifornischen Death Valley, ist mit 85 Meter unter dem Meeresspiegel der tiefste Land-Punkt auf der westlichen Halbkugel. Während des Lauf dürfen die Teilnehmer selbst bestimmen, wann sie eine Pausen zum Schlafen einlegen. Das Ziel liegt auf dem 2533 Meter hohen Mount Whitney, und nur dort, am Ziel, gibt es etwas Schatten spendenden Wald für die Läufer. Die 217 Kilometer lange Strecke führt über drei Berge, der größte Teil der Strecke führt durch das Naturschutzgebiet Death Valley. Nur einmal durchquert die Lauf-Route einen kleinen Ort, Lone Pine ("Einsame Pinie"), gegen Ende der Strecke. Startgebühr: 217 Dollar. dg

Trinken muss man auf solchen Extrem-Strecken wie dem Badwater-Ultra praktisch ständig. Was bevorzugte Dr. Klaus Micka unter der Masse an Sport-Getränken, die derzeit im Handel angeboten werden? Der Extrem-Läufer sagt: "Ich habe fast nur Wasser getrunken", anfangs habe er es mit Elektrolyse-Getränken versucht, doch schnell sei er auf Wasser umgestiegen, mal mit einem Schuss eines Elektrolyse-Getränks versetzt oder auch mal mit etwas Magnesium, Kalzium oder auch mit etwas Salz. mr